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„New Morning“ könnte Bob Dylans Karriere gerettet haben. Auf jeden Fall aber bewies das Album aus dem Jahr 1970, dass der Barde immer noch eine Rolle spielte und sein Wortwitz noch intakt war. „New Morning“ folgte direkt auf das bis heute umstrittenste Werk von Dylan: „Self Portrait“ – ein nur schwer konsumierbares Release, das bei so manchem Fan die Frage aufwarf, ob ihr Idol den Verstand verloren habe. Er selbst bezeichnete es als Antwort auf die zahlreichen Bootlegs, die zu jener Zeit von ihm im Umlauf waren. Die Aussage legt zumindest den Verdacht nahe, dass das Scheitern von „Self Portrait“ Kalkül war. „New Morning“ besänftigte Fans und Kritiker: Das elfte Studioalbum des besang des Genie nicht mehr im Country-Crooner-Stil, sondern mit seiner altbekannten, nasalen Stimme. Obwohl man Dylan unterstellte, dass er das Album schnell produziert habe, um bei den Kritikern seinen Ruf wiederherzustellen – Dylan selbst betonte, dass „New Morning“ bereits zu großen Teilen fertiggestellt gewesen sei, als „Self Portrait“ erschienen – erreichte das Album in Großbritannien Platz 1 der Charts, in den USA Platz 7. „Viele der Songs scheinen spontan entstanden zu sein, mit dem Selbstvertrauen erstklassiger Musiker, jederzeit in jede Richtung gehen zu können“, schrieb Dylan-Experte und Kulturkritiker Greil Marcus in seiner ursprünglichen Rezension für die New York Times. „Die Riffs, Erfindungen und Studio-Jams von „New Morning“ haben ihre eigene Persönlichkeit …die pure Freude, den richtigen Zug zu erahnen, und die Begeisterung, ihn zu treffen und von einem Akkord in einen neuen Text zu springen.“
Diese Beobachtungen gelten auch heute noch, denn „New Morning“ zeugt von einer Kühnheit, die Dylan zuvor und seitdem nur selten auf Alben gezeigt hat. Seine Stimme ist voller Enthusiasmus und Begeisterung, und sein Spiel auf der 88er-Klavier unterstreicht die befreiten Arrangements. Die eklektische Platte ist verspielt und swingend, wobei er und seine erstklassige Band mit jazzigen Experimenten – „Sign On The Winter“ und „Winterlude“ –, dem weitschweifigen Spoken-Word-Titel „If Dogs Run Free“ oder der Elvis-Parabel „Went To See The Gypsy“ in unkonventionellere Richtungen marschierten. Auch gefühlvolle Rocksongs wie „The Man In Me“, der in dem Coen-Brüder-Film „The Big Lebowski“ wunderbar und eindrucksvoll zur Geltung kommt, finden auf Dylans Album Platz. Seine Phrasierungen vermittelt durchweg eine Fröhlichkeit und Einfachheit, die „New Morning“ zu dem charmanten, liebenswerten Album, das es ist.
Die im kalifornischen MoFi-Studio liebevoll von Krieg Wunderlich und Rob LoVerde gemasterte und bei Fidelity Record Pressing auf 180-Gramm-Vinyl gepresste LP (33 U/min) präsentiert diesen Klassiker in audiophiler Klangqualität: Der offene Sound betont die spontane Live-Sensibilität der Performance, die den Hörer an eine intensive Nachtclubatmosphäre erinnert. Mit der limitierten Neuauflage dieser beliebten MoFi-LP, die standesgemäß im Klappcover mit fortlaufender Seriennummer kommt, kann „New Morning“ endlich wieder aus einer neuen Perspektive erlebt werden.



