Description
1963 trat das “Second Great Quintet” von Miles Davis beim Festival in Juan-les-Pins an der französischen Riviera auf. Die Besetzung des Quintetts hatte sich bis dahin ständig geändert und sollte sich erst 1964 stabilisieren. Zu dieser Zeit war Davis’ Privatleben voller Turbulenzen. Zwischen zwei Linien Kokain gab es heftige Auseinandersetzungen mit seiner Frau Frances Taylor, geprägt von häufigen Streitereien und Eifersuchtsanfällen. Vielleicht hilft dieser Kontext auch, sein Bedürfnis nach Umbrüchen und seine rasante Suche nach Innovation zu erklären. Vielleicht kann man sagen, dass Ende 1964, während dieser legendären Konzerte die jetzt durch The Lost Recordings veröffentlicht werden, des Second Great Quintet von Miles Davis ein Wendepunkt in der Geschichte des Jazz erreicht wurde. Die gesamte Zukunft des Genres lag in den Händen dieser neuen Generation von begnadeten Musikern. Was Miles betraf, so stand er nicht mehr im Mittelpunkt der Bühne und wandte dem Publikum manchmal den Rücken zu. Er zog es vor, sich an den Rand zurückzuziehen, um den Musikern, die er so bewunderte, bei der Darbietung der Themen freie Hand zu lassen. Der Impresario George Wein erinnerte sich: “Ich sagte einmal zu Miles: ‘Als du mit Herbie, Wayne, Tony und Ron auf Europatournee warst, hätte ich es nicht gewagt, mit dir auf die Bühne zu gehen.’ Diese Gruppe war ihrer Zeit nicht voraus. Sie war die Zeit.” Das Repertoire hatte sich nicht wesentlich verändert, der Stil war jedoch radikal anders: Die Interpretationen waren einfallsreich, sprengten Grenzen und stellten die Welt des Jazz auf den Kopf. Es waren die “Newcomer”, die den Sound revolutionierten. Sie gehörten alle einer Generation an, die jünger war als Miles Davis. Da war beispielsweise Wayne Shorter, der in den 1970er Jahren den Jazz-Fusion begründete. Wie Miles in seiner Autobiografie schrieb: “Wayne Shorter war der Ideen- und Konzeptgeber unserer musikalischen Ideen.” Der andere war Herbie Hancock, ein klassisch ausgebildeter Pianist mit einer Vorliebe für Mozart, der seine Improvisationstechniken veränderte, um sich zu zwingen, seine Komfortzone zu verlassen. Der dritte im Bunde war Ron Carter, der sich nicht mehr mit Pizzicati zufrieden gab, sondern Melodielinien schuf, die mit Bass-Traditionen brachen. Und zu guter Letzt war da noch Tony Williams, der bahnbrechende achtzehnjährige Schlagzeuger, ein wahres Genie. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, die sich an ein zyklisches, durch Wiederholungen vorhersehbares Tempo hielten, zerbrach Tony den musikalischen Raum, schürte Spannungen und rückte sich selbst in den Vordergrund. Um noch einmal aus Miles’ Autobiografie zu zitieren: “Tony hat einfach ein großes Feuer unter allen in der Gruppe entfacht … Mir wurde langsam klar, dass Tony und diese Gruppe alles spielen konnten, was sie wollten. Tony war immer der Mittelpunkt, um den sich der Sound der Gruppe drehte. Er war etwas ganz Besonderes, Mann.” Frédéric D’Oria-Nicolas, der musikalische Schatzsucher von The Lost Recordings, beschreibt den Weg, den das Label beschreiten musste, um diese Veröffentlichung realisieren zu können folgendermaßen: “Dank der Beharrlichkeit von Ulf Drechsel war es uns endlich gelungen, mit dem finnischen Archiv Yle in Kontakt zu treten. Es dauerte fast ein Jahr, bis wir die ersten Audioausschnitte hören konnten. Unter den unveröffentlichten Aufnahmen von John Coltrane, Ella Fitzgerald und Ben Webster befand sich dieses außergewöhnliche und bislang völlig unveröffentlichte Konzert des Miles Davis Quintetts mit Wayne Shorter, Herbie Hancock, Ron Carter und Tony Williams aus dem Jahr 1964 in Helsinki! Im Juli 2025 können wir schließlich die Originalaufnahmen hören. Der Erhalt des Tonbands und die absolut außergewöhnliche Tonaufnahme wurden der Darbietung dieser Genies gerecht. Einige Jahre zuvor hatten wir die Originalaufnahmen derselben Band gehört, die während des berühmten Konzerts beim Berlin Jazz Festival gemacht wurden. Auch hier war die Tonaufnahme gut, doch es gab noch viel Arbeit an den Pegeln, die von einem Titel zum anderen um fast 9 dB variierten! Uns fiel außerdem auf, dass die Originalaufnahme in Mono vorlag und weitaus besser klang als die bisher veröffentlichten stereophonisierten Versionen. Schließlich ist einer der schönsten Titel dieses Berliner Konzerts, “Stella By Starlight”, seit über 60 Jahren auf Vinyl völlig unveröffentlicht geblieben! Wir sind daher besonders stolz darauf, diese historische Ausgabe dieser beiden Konzerte des Miles Davis Quintetts aus dem Jahr 1964 präsentieren zu dürfen.” “The Lost Recordings” wird weltweit für die Bewahrung von unschätzbarem musikalischem Erbe und die unübertroffene Qualität seiner Phoenix-Mastering™-Restaurierungen gefeiert und veröffentlich diese legendären Konzerte – aufgenommen im Messuhalli, Helsinki, Finnland, am 6. Oktober 1964 und 25. September 1964, während der Berliner Jazztage in der Philharmonie – nun erstmals in absoluter Referenzqualität: Die “Sapphire Edition” kommt als Dreifach-LP (33 U/min), mit 200 Gramm schwerem, transparentem Ultimate Record®-Vinyl. Die handnummerierte Erstauflage ist auf 500 Exemplare limitiert und die luxuriöse Box enthält eine 16-Bit-Downloadkarte des Albums. Für die Lackschnitte zeichnet Tonmagier Kevin Gray höchstpersönlich verantwortlich. MUSIKER: Miles Davis: trumpetWayne Shorter: tenor saxophoneHerbie Hancock: pianoRon Carter: bassTony Williams: drums
![Miles Davis - Live in Helsinki / Berlin 1964 [Sapphire Edition] [Mono]](https://souldisco.de/wp-content/uploads/2026/04/tlr-2504067vs-milesdavis-liveinhelsinki-berlin1964-sapphireedition.webp)


